|
 |
 |
 |
 |
 |
Thema |
 |
|
Einbau einer Kaminkassette – Brandschaden
In einem vorhandenen offenen Kamin aus dem Jahre 1972 wurde zum Zwecke der größeren Wärmenutzung im Jahre 1994 eine Kaminkassette nachträglich eingebaut. Einige Tage später kam es zu einem erheblichen Brandschaden.
|
 |
 |
Vorbemerkungen |
 |
|
Das Wohnhaus des Herrn Betreiber ist im Jahre 1971/1972 erbaut worden. Im Zuge dieser Neubaumaßnahme wurde auch der offene Kamin erstellt. Zum damaligen Zeitpunkt waren verbindliche Fachregeln oder besondere Vorschriften für die Erstellung von offenen Kaminen hinsichtlich des Schutzes des Baukörpers noch nicht vorhanden. Auch über Brandschutz wurde in der Öffentlichkeit noch kaum nachgedacht.
Im Jahre 1974 wurde erstmalig ein Entwurf der "Kaminrichtlinien" in der Fachzeitschrift veröffentlicht, die dann nach weiterer Überarbeitung im Dezember des Jahres 1979 als "Richtlinien für den Bau von offenen Kaminen" gemeinsam vom Schornsteinfegerhandwerk und vom Zentralverband Sanitär – Heizung – Klima als verbindlich für das Kachelofen- und Luftheizungsbauer-Handwerk herausgegeben wurde. Diese "Richtlinien zum Bau von offenen Kaminen" sind mit Erscheinen der DIN 18 895, Feuerstätten für feste Brennstoffe zum Betrieb mit offenem Feuerraum (offene Kamine) im August 1990 abgelöst worden.
Der Teil 3 dieser DIN 18 895 ist im März 1992 erschienen und befasst sich mit Kaminkassetten zum Bau von oder zum nachträglichen Einbau in offene Kamine. Er nimmt Bezug auf Teil 1 der DIN 18 895 und regelt somit auch den Brandschutz.
|
 |
 |
Feststellungen |
 |
|
Auf dem massiv gemauerten offenen Kamin ist die Kaminschürze, wie es früher nicht unüblich war, aus Heraklithplatten gefertigt worden. Als Tragegestell für diese schweren Platten dienten Holzbretter. Die aufgenagelten Heraklithplatten sind dann mit einem normalen Putzmörtel verputzt worden. Ein fest eingesetzter Holzbalken als Kaminsims rundete das optische Erscheinungsbild ab.
Nun ist es bei einem klassischen offenen Kamin unvermeidbar, dass je stärker die temperaturbedingte Auftriebskraft im Schornstein ist, desto mehr Raumluft wird durch die Feuerungsöffnung des offenen Kamins als "Falschluft" mit angesaugt und gemeinsam mit den heißen Rauchgasen ins Freie transportiert.
Diese Luftbeimischung hat zur Folge, dass sich die Rauchgase im Schornstein wieder entsprechend abkühlen. Geringere Rauchgastemperatur hat geringere Auftriebskraft zur Folge. Bei geringerer Auftriebskraft wird auch wieder weniger "Falschluft" beigemischt ... usw.
Letztendlich pendelt sich die Rauchgastemperatur im Schornstein bei einer mittleren Temperatur von ca. 80°C ein. Dieser Wert wurde von den Richtlinien zum Bau von offenen Kaminen seinerzeit festgeschrieben und ist für diese Kaminbauweise auch von der heute gültigen DIN 18 895 übernommen worden.
Da diese offenen Kamine selten über längere Zeiträume mit hellem Feuer betrieben worden sind, hat es auch Schadensfeuer kaum gegeben. Der hohe Luftanteil hat zusätzlich im oberen Bereich des Feuerraums für Kühlung gesorgt.
In späteren Jahren wurden dann oft zum Zwecke der größeren Wärmeausnutzung in den Feuerraum des klassisch offenen Kamins eine Kaminkassette eingebaut. Bei diesen Heizgeräten war der große "Falschlufteintritt" in den Feuerraum nicht mehr möglich, da die verschlossenen Feuerraumtüren das verhinderten.
Gerade für diese Heizgeräte, die mit wesentlich höheren Abgastemperaturen gefahren wurden, sind in der DIN 18 895 ganz konkrete Anforderungen an die Wärmedämmung zum Schutze des Baukörpers gestellt worden. Wenn beim nachträglichen Einbau solcher Kaminkassetten nicht die Anforderungen der Feuerungs-Verordnung und die der DIN 18 895 Teil 1 und Teil 3 beachtet werden, kommt es schnell zu folgenschweren Schäden.
Der Schornstein für einen klassischen offenen Kamin ist vom Querschnitt her auf das Abgasvolumen einschließlich des aus dem Aufstellungsraum angesaugten Luftvolumens ausgelegt. Wenn nun eine Kaminkassette eingebaut wird, verringert sich aufgrund des größeren Wirkungsgrades und der zusätzlich nicht angesaugten "Falschluft" aus dem Aufstellungsraum das Abgasvolumen erheblich.
Das hat zur Folge, dass sich in dem vorhandenen großen Schornsteinquerschnitt keine auch nur annähernd akzeptable Strömungsgeschwindigkeit einstellen kann. Das hat weiter zur Folge, dass sich die Abgastemperatur sehr bald im Schornstein abkühlt und dann die Gefahr des Überdrucks im Schornstein besteht. Daraus folgert dann auch das oft belästigende und gesundheitsgefährdende Herausrauchen aus der Feuerung selbst.
Aufgrund der nicht angesaugten "Falschluft" wird auch die Abgastemperatur nun nicht mehr weiter "runtergemischt". Das hat dann zur Folge, dass die Abgastemperatur im oberen Bereich des Feuerraums nun nicht mehr mit ca. 80°C im Durchschnitt angenommen wird, sondern regelmäßig bis zu 300°C betragen kann.
|
 |
 |
Ursache |
 |
|
Diese systembedingt hohen Temperaturen waren das Streichholz am Balken. Da keinerlei Schutzvorkehrungen vor Übertemperatur getroffen worden sind, war der Brand vorprogrammiert und unausbleiblich.
Die Entzündung der Bretter im Bereich der Schürze, die dort als Tragekonstruktion für den Putzträger dienten, war nur eine zwingende Folgeerscheinung des in Brand geratenen Holzbalkens.
|
 |
 |
|
Druckbare Version
|
|
Verpuffung Warmluftofen Wasseraufsatz ohne Zulassung
|
|
 |