Thema

Umstellung auf Gasfeuerung – Mangelnde Kachelerwärmung

1) Ist es richtig, dass die auf Gasfeuerung umgestellte Kachelofenanlage nicht mehr geeignet ist, die Wohnung ...strasse 7 zu beheizen?

2) Welches ist die Ursache für die Untauglichkeit der Heizungsanlage?



Zunächst die wesentlichen Fakten:

1. Der eingebaute Gasheizeinsatz hat nach Herstellerangabe eine Wärmeleistung von 10,5 kW. Er ist in der Lage innerhalb der Luftheizkammer diese Wärmeleistung abzugeben oder freizusetzen; in die zu beheizenden Räume gelangt diese Wärmeleistung jedoch nur dann, wenn die Einbausituation den Wärmetransport in diese Räume hinein auch zulässt.

2. An die Kachelofen-Luftheizung ist gemäß Angebot vom ... (Bl. 18 d.A.) angeschlossen worden:
a) Das Wohnzimmer im Erdgeschoss mit einem geschätzten Wärmebedarf von ca. 5 bis 6 kW.
b) Die Diele mit einem geschätzten Wärmebedarf von ca. 2 kW.
c) Ein weiteres Zimmer mit einem geschätzten Wärmebedarf von ca. 3 kW im voll beheizten Zustand.



Weitere Ausführungen

Es ist sachlich richtig, dass der vorher vorhandene Heizeinsatz für Koksfeuerung eine Nennwärmeleistung von 8,5 kW hatte. Bei diesem Heizeinsatz bestand jedoch keine Kontrolle über den Zeitpunkt, wann die Nennwärmeleistung erreicht war. Es wurde einfach so intensiv geheizt, bis das Wärmebedürfnis des Betreibers erfüllt war. Unter diesem Gesichtspunkt könnten von dem Heizeinsatz leicht eine wesentlich höhere Wärmeleistung abgefordert worden sein, ohne dass dies als mögliche Überlastung seitens des Betreibers empfunden oder hätte erkannt werden müssen.

Die heißen Rauchgase sind aus dem vorherigen gusseisernen Kokseinsatz zunächst durch gemauerte, keramische Heizgaszüge geleitet worden, die fest an der Kachelwand im Bereich des Wohnzimmers angemauert waren, und diese bei stärkerem Feuer sehr hoch aufheizten. Auf diese Weise wurde schon ein großer Anteil des Wärmebedarfs im Wohnraum auf dem Wege der Wärmestrahlung gedeckt.

Diese Wärmestrahlung wurde auch von den Umgebungswänden des Wohnraums aufgenommen und teilweise gespeichert. Die nun so im Bereich ihrer Oberfläche angewärmte Außenwand schaffte ein geringeres Temperaturgefälle zur Raumluft. Das wiederum machte sich positiv auf das Wohlbefinden des Menschen im Raum bemerkbar.

Bei höherer Oberflächentemperatur der Umgebungsflächen (Wände, Decke und Fußboden) kann die Raumtemperatur selbst entsprechend geringer sein. Der sich im Raume aufhaltende Mensch empfindet das allgemein klimatisch angenehmer, ohne die geringere Lufttemperatur überhaupt zu realisieren.

Auch der Mensch ist eine "Verbrennungsmaschine" mit entsprechender Wärmeleistung. Hierbei ist die Wärmeleistung eines jüngeren, aktiveren Menschen höher anzusetzen, als die eines älteren Menschen, der aufgrund seines fortgeschrittenen Lebensalters seine Zeit oft sitzend in ruhender Stellung verbringt.

Der menschliche Körper gibt seine Wärme teils als Strahlungswärme und teils als Konvektionswärme ab. Die Menge der abgegebenen Wärme ist vom Temperaturunterschied der Oberflächentemperatur seines Körpers zur Temperatur seiner Umgebung abhängig. Wenn das Verhältnis nicht stimmt, wird es ihm entweder "warm" oder "kalt"; der Ausgleich erfolgt durch entsprechende Bekleidung oder Angleichung der Raumtemperatur.

Bei höherer Oberflächentemperatur der Umgebungswände verringert sich der Strahlungsanteil des menschlichen Körpers; der konvektive Anteil muss sich nun erhöhen. Das ist bei gleichbleibendem Wohlbefinden nur mit entsprechend abgesenkter Lufttemperatur zu erreichen, die sogar im Bereich des Kopfes als besonders angenehm empfunden wird.



Feststellungen

Frau ... sitzt sehr oft auf dem von ihr bevorzugten Sitzmöbel. Die mittlere Entfernung von ihrem Körper bis zum Kachelofen beträgt ca. 1,50 m; die Entfernung zu ihren Beinen ist entsprechend kürzer. So sitzend, hat sie unbewusst bisher die Strahlungswärme des Kachelmantels als angenehm wahrgenommen.

Nun wurde der gusseiserne Heizeinsatz für Koksfeuerung gegen den Gasheizeinsatz ausgewechselt. Aus funktionstechnischen Gründen können an einem Gasheizeinsatz keine nachgeschalteten Heizgaszüge angeschlossen werden.

Die vorhandenen keramischen Heizgaszüge wurden ausgebaut und durch eine aus verz. Stahlblech gestaltete Luftkammer ersetzt. Durch sie sollte in einem geschlossenen Kreislauf Luft zirkulieren und dabei die Kachelfläche erwärmen.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurde nahezu die Hälfte der gesamten Heizfläche des Gasheizeinsatzes mit verz. Stahlblech abgekleidet und die hier erwärmte Luft über einen separaten Luftkanal in die Luftkammer in Kachelnähe geleitet. Im unteren Bereich war es vorgesehen, dass die an der Kachelfläche abgekühlte Luft über einen anderen Kanal wieder zurückgeführt wird. Der Zirkulationsweg (Kreislauf) wäre damit dann geschlossen.

Nach unbestätigter, aber nachvollziehbarer Auskunft von Frau ... werden von den vorhandenen vier Kachelschichten nur die oberste Kachelschicht warm.

Die im Bereich des Heizeinsatzes sehr hoch erwärmte Luft wird durch einen Luftkanal mit einem Durchmesser von ca. 160 mm in die an die Kachelwand angebaute Luftkammer aus verz. Stahlblech von ca. 75 cm Breite und ca. 22 cm Tiefe geleitet. In diesem viel zu großen Querschnitt findet ein Lufttransport nach unten kaum statt. Die Luft staut zurück und verteilt sich lediglich im oberen Bereich dieses großen Freiraums. Daher erwärmt sich auch nur die obere Kachelschicht und der gewohnt hohe Anteil an Strahlungswärme fällt im Wohnzimmer aus. Die fast gesamt erforderliche Wärme ist demnach auf dem konvektivem Wege in das Wohnzimmer zu transportieren.

Die Abstände in der Luftheizkammer selbst sind an mehreren Stellen mit ca. 4 cm viel zu gering. Aus diesem Grunde ist auch eine ausreichende Zirkulation durch die Luftheizkammer zur Raumerwärmung nicht gegeben. Die zirkulierende Luft verweilt zu lange innerhalb der Luftheizkammer, heizt sich dadurch höher auf als von den Fachregeln des Kachelofen- und Luftheizungsbauer-Handwerks vorgesehen, und tritt dann mit erhöhter Temperatur in den Wohnraum hin aus.

Durch die mangelnde Zirkulation innerhalb des Kachelofens findet auch im Wohnraum keine ausreichende Zirkulation (raumerfüllende Strömung) mehr statt, sondern nur noch eine Luftschichtung. Hierbei wird dann besonders deutlich spürbar, dass die warme Luft sich unterhalb der Zimmerdecke und die kühlere Luft in der Nähe des Fußbodens befindet.

Nach Aussage der Frau ... ist ihr im Sessel sitzend unangenehm kalt; "die Kälte steigt von den Füßen bis zu den Knien hoch", so sagt sie. Hierbei wurde jedoch nach eigener Aussage am Thermometer in ca. 1,70 m Raumhöhe eine Temperatur von ca. 22°C abgelesen.

Bei normaler Temperatur der Umgebungswände ist eine mittlere Raumtemperatur um 22 bis 23°C sicherlich als ausreichend zu bezeichnen.



Schlußfolgerungen

In dieser Situation treffen jedoch mehrere Ungewöhnlichkeiten zusammen. Erst in der Summe dieser einzelnen Negativerscheinungen wird die Gesamtproblematik deutlich:

1. Frau ... hat in sitzender Position eine Kopfhöhe von ca. 1 m. Bei der angenommenen Temperaturschichtung im Raum kann davon ausgegangen werden, dass in Körperhöhe eine um wenige Grade geringere Lufttemperatur gemessen würde, als in Höhe des Thermometers von ca. 1,70 m Höhe.

2. Frau ... muss auf die gewohnte direkte Wärmeeinstrahlung des Kachelofens verzichten, von dem sie nur ca. 1,50 m entfernt sitzt.

3. Zusätzlich ist die Oberflächentemperatur der sie umgebenden Wandflächen aufgrund der fehlenden Wärmestrahlung des Kachelofens geringer. Sie ist also auf höhere Lufttemperaturen angewiesen, die aufgrund der ungenügenden Luftzirkulation nicht angeboten werden.

4. Im Fußbereich ist die größte Empfindlichkeit des Menschen. In diesem Bereich ist
a. die Lufttemperatur am geringsten und
b. macht sich hier besonders die fehlende Oberflächentemperatur des Fußbodens bemerkbar.

Durch den hier vorhandenen sehr großen Temperaturunterschied zwischen der Oberfläche des Fußbodens und der Oberflächentemperatur ihrer Beine, erleidet Frau ... einen besonders hohen Strahlungsverlust, der durch die umgebende Lufttemperatur nicht kompensiert wird. Die Folge sind kalte Füße.

5. Das Lebensalter der Frau ... von 70 Jahren ist an dieser Stelle auch zu bedenken.




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Verpuffung Warmluftofen